Marktrecht

Das älteste nachweisbare Wochenmarktsprivileg stammt aus dem Jahr 1416. Damals regelte der Erzbischof das gesamte Marktwesen im Lungau. Allerdings können wir davon ausgehen, dass die Entwicklung des TamswegerMarktrechtes schon auf die Zeit der Pettauer Herrschaft zurückgeht: 1246 schenkte Erzbischof Eberhard II. dem Domkapitel den „halben Markt“, oder wie es in der lateinischen Urkunde heißt: „medietatem fori“. Aus dieser Zeit stammt wohl auch der planmäßig angelegte Marktplatz, der seither das Zentrum des Ortes bildet. Neben anderen Hinweisen auf ein früheres Bestehen des Marktes taucht 1344 der erste nachweisbare Marktrichter namens Gibelein in einer Urkundenbezeugung auf. Aus dem Jahr 1348 stammt das älteste erhaltene Siegel eines Tamsweger Marktrichters.

Ein Magistrat oder Rat, bestehend aus 12 bis 18 Personen, den die Bürgerschaft wählte, war zuständig für die Zuerkennung des Bürgerrechts an Personen, die aufgrund ihres Besitzes oder ihrer Berufstätigkeit dafür in Frage kamen. Zudem wachte dieser Rat über die Markttage. Der Wochenmarkt dürfte wohl die Grundlage für die Entstehung des Marktes gewesen sein. 1491 erhielt Tamsweg das Recht auf einen jährlichen Freimarkt, an dem auch auswärtige Händler ihre Waren anbieten durften, und 1792 wurde ein weiterer Wochenmarkt am Montag nach dem vierten Sonntag nach Ostern zum Freimarkt erhoben. Diese beiden Märkte werden noch heute abgehalten. Aber auch der Wochenmarkt erfuhr vor einigen Jahren eine Wiederbelebung. Nach alter Tamsweger Markttradition bieten heute heimische Bauern Freitags ihre Produkte am Marktplatz an.

Aus den Reihen des Magistrats wurde ein Marktrichter gewählt, der spätestens alle zwei Jahre ausgewechselt werden musste. Übrigens war dies ein einzigartiges Privileg, denn während in Tamsweg die Marktrichterbestellung der Bürgerschaft gestattet war, vergab in den anderen Märkten der Marktherr – zumeist der Erzbischof – dieses Amt. Dem Marktrichter oblag innerhalb des Tamsweger Gerichtsbezirks, des sogenannten Burgfrieds, die niedere Gerichtsbarkeit. Nur bei Blutverbrechen war ein Straftäter dem erzbischöflichen Landrichter von Moosham auszuliefern. Den Burgfried erhielt Tamsweg 1501 zuerkannt, 1587 ein Wappen und das Marktsiegel. Fälschlicherweise setzten die erzbischöflichen Räte den Namensteil „Tams-“ mit einer Gemse in Verbindung, weshalb unser Wappen auch heute noch eine über drei Bergspitzen springende Gemse zeigt. Erst nach der Auflösung des eigenständigen Fürsterzbistums Salzburg wurde von der darauffolgenden bayerischen Regierung Anfang des 19. Jahrhunderts das Tamsweger Marktprivileg nicht mehr bestätigt.