Römer, Slawen und Bajuwaren

Nach neuesten sprachwissenschaftlichen Überlegungen, zählt Tamsweg zu den ältesten slawischen Siedlungen im Lungau. Schon um 700 dürfte sich ein Herr Domes hier mit seiner Sippe niedergelassen haben und für die Entstehung des Ortsnamens, der erstmals um 1165 schriftlich aufscheint, verantwortlich sein. Damals zählte der Lungau zum slawischen Reich Karantanien. Daran erinnert auch die Tatsache, dass die Region bis ins späte Mittelalter Teil des Herzogtums Kärnten war und erst danach zur Gänze zum Erzbistum Salzburg kam. Von Norden her sickerten schon ca. 100 Jahre nach den Slawen bajuwarische Siedler ins Land und übernahmen zunehmend die Vorherrschaft. Die Ortsnamen wurden zunehmend „eingedeutscht“, doch hat sich die slawische Lebensweise angeblich bis in unsere Zeit erhalten. Noch 1816 schrieb Franz Michael Vierthaler über die Lungauer: „Sie wohnen größtentheils, wie die alten Slawen, in schlecht gebauten Hütten, welche sie Keuschen nennen.“ Und weiter: „Noch heute haben die Lungauer eine auffallende Neigung gegen die Nachbarn im alten Carantanien und gleichen diesen auch in ihrem Charakter mehr als ihren Brüdern jenseits des Tauern.“

Tabula Peutingeriana mit dem Straßenzug in alpe (Obertauern), in imurio (Immurium/Moosham), Graviacis (vermutl. Predlitz/Stadl) und Tarnasicis (vermutl. Flattnitz). – (3. Straßenzug von oben)

Bis vor wenigen Jahrzehnten war die These vorherrschend, dass Tamsweg ursprünglich eine römische Ansiedlung mit dem Namen „Tamasicis“ gewesen sein soll. Aber mit der Ausgrabung der Station Immurium bei Schloss Mossham ist diese Überlegung überholt. Eine alte Straßenkarte, die „Tabula Peutingeriana“ hält beide Namen fest: „in murio“ und „Tarnasicae“. Letztere Siedlung ist nach den Meilenangaben eher auf der Flattnitz zu suchen. Allerdings hat Tamsweg dennoch eine starke Beziehung zur römischen Geschichte. Das Lungauer Heimatmuseum Tamsweg zeigt in seinem „Römerkasten“ die Kleinfunde aus Immurium. Selbst einen Mithrastempel besaß diese Straßenstation Immurium. Das Kopffragment des Kultbildes ist derzeit in der Bezirkshauptmannschaft ausgestellt.

Lungauer Heimatmuseum Tamsweg, „Römerkasten“: Altar mit aufgearbeiteter Früchteschale