Zünfte und Handwerksordnungen

Seit dem 13. Jahrhundert regelte das Zunftwesen das Wirtschaftsleben in den Städten und Märkten. Wer im Markt sein Handwerk ausüben wollte musste sich einer Zunft anschließen. Beschränkte Beitrittsmöglichkeiten und eine strenge hierarchische Gliederung von Meistern, Gesellen und Lehrjungen kennzeichneten diese Organisationsform.

Treffpunkt der Zunftmitglieder war alljährlich am Jahrtag in der Herberge, einem bestimmten Gasthaus. Der Jahrtag war zumeist der Namenstag des Schutzpatrons der jeweiligen Zunft. Hier wurde die Zunftlade geöffnet und im Beisein der gerichtlichen Obrigkeit zunftinterne Probleme diskutiert. Das Auflaggeld wurde von den Zechmeistern eingehoben, Gesellen und Lehrjungen aufgedungen oder losgezahlt. Mit genauen Zunftordnungen privilegierte der Erzbischof als Landesherr das Handwerk in den Märkten gegenüber den Landhandwerkern im sogenannten „Gäu“ und gegenüber den fahrenden Handwerkern, die oft als „Stümper“, „Pfuscher“ oder „Störer“ bezeichnet wurden.

In früheren Jahrhunderten befanden sich Arbeits- und Lebenswelt eines Handwerkers im selben Haus. Lehrjungen und Gesellen lebten oft im Hause des Meisters und waren daher auch seiner Hausgewalt unterworfen. Nach der Lehrzeit ging der Geselle drei Jahre auf Wanderschaft als Voraussetzung für die Meisterprüfung. Diese Phase löste – oder verdrängte – gleich mehrere Probleme. Einerseits konnte der Handwerker auch auswärts Erfahrungen sammeln. Tatsächlich aber begegnete man so dem kargen Arbeitsmarkt, indem nicht gebrauchte Gesellen einfach fortgeschickt wurden. Auf dem Land schlugen sie sich oft durch Betteln durch. Erst nach dreijähriger Wanderschaft hatte der Geselle eine Voraussetzung für die Meisterprüfung erfüllt. Andere Voraussetzungen waren die eheliche und ehrliche Geburt. Man durfte also nicht von Eltern, die ein unehrliches Handwerk wie Totengräber, Scharfrichter oder Abdecker (Entsorgung von Tierkadavern) ausübten, abstammen. Die Meisterprüfung war eine finanzielle Hürde: Das Material war selbst zu bezahlen, die Prüfer mussten versorgt werden. Manche Handwerksordnungen schreiben genau die anzufertigenden Meisterstücke vor.

Das Zunftwesen spielte aber auch in den religiösen Bereich hinein. Die Handwerksordnungen schrieben den Kirchgang am Jahrtag vor, forderten zu einem regelmäßigen Sonntagskirchgang auf und gestatteten eine Aufnahme in die Zunft nur Katholiken. Bei Prozessionen gingen die Handwerker in den Reihen ihrer Zunft mit, die durch eine eigene Zunftfahne zu erkennen war.

Nicht zuletzt waren die Zünfte auch eine soziale Absicherung der Mitglieder und ihrer Familien. Sie sorgten für Begräbniskosten und griffen den Hinterbliebenen finanziell unter die Arme. Einer Zunft anzugehören bot demnach viele Vorteile. Wer ein Handwerk ausübte, von dem nur wenige Vertreter ansässig waren, zahlte sein Auflaggeld einmal im Jahr direkt in die Hauptlade in Salzburg ein.

Um dennoch am gesellschaftlichen Leben im Markt teilnehmen zu können, schlossen sich im Jahr 1737 der Riemer Johann Georg Kopfmüller, der Binder Jakob Ferner und der Weißgerber Johann Josef Löcker – alle drei Bürger von Tamsweg – zu einer „Vereinigtenbruderschaft“ zusammen, die alle jene Gewerbetreibenden umfassen sollte, die keiner Zunft angehörten und somit den „freien Künsten“ zuzurechnen waren. Und während das Zunftwesen schon längst Geschichte ist, existiert „der Vereinigte“ als älteste Bruderschaft Österreichs noch heute.